Kunst · Klasse 7 · Lektion 8
Moderne Kunst: Expressionismus und Abstraktion
- Du kennst die wichtigsten Vertreter des Expressionismus.
- Du kannst erklären, was abstrakte Kunst von gegenständlicher unterscheidet.
- Du kannst Werke von Kandinsky und Mondrian beschreiben und einordnen.
Der Aufbruch der Moderne
Um 1900 begann in der Kunst eine Revolution. Künstler lehnten die genaue Wiedergabe der Wirklichkeit (Naturalismus) ab und suchten neue Ausdrucksmöglichkeiten. Die Fotografie hatte gerade bewiesen, dass eine Maschine die Wirklichkeit perfekt abbilden kann – warum sollte Malerei das noch tun?
Die Antwort der modernen Kunst: Malerei zeigt, was Fotografie nicht kann – Gefühle, innere Zustände, abstrakte Ideen.
Expressionismus (ca. 1905–1925)
Der Expressionismus war eine Bewegung in Deutschland und Österreich. Die Künstler wollten innere Gefühle nach außen drücken (lat. expressio = Ausdruck). Typische Merkmale:
- Starke, unnatürliche Farben (nicht naturgetreu, sondern gefühlsbetont)
- Verzerrte, vereinfachte Formen
- Harte Kontraste und Unruhe im Bild
- Themen: Großstadt, Angst, Einsamkeit, innere Zerrissenheit
Vincent van Gogh (1853–1890) gilt als wichtiger Vorläufer. Sein Gemälde "Die Sternennacht" (1889) zeigt wild geschwungene Pinselstriche, leuchtende Farben und eine aufgewühlte Atmosphäre – alles Ausdruck seines inneren Erlebens.
Bekannte Expressionisten: Ernst Ludwig Kirchner, Egon Schiele, Edvard Munch ("Der Schrei").
Wassily Kandinsky und die Abstraktion
Wassily Kandinsky (1866–1944) gilt als Begründer der abstrakten Kunst. Er behauptete, Farben und Formen haben eine direkte Wirkung auf die Seele – unabhängig von dem, was sie darstellen. Sein erstes abstraktes Bild malte er um 1910.
Kandinsky unterschied:
- Gegenständliche Kunst: Man erkennt reale Dinge (Mensch, Baum, Haus).
- Abstrakte Kunst: Nur Formen, Farben und Linien – ohne erkennbaren Gegenstand.
Piet Mondrian und De Stijl
Piet Mondrian (1872–1944) vereinfachte seine Malerei bis zum Maximum: nur noch waagerechte und senkrechte schwarze Linien auf weißem Grund, ausgefüllt mit den drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Er glaubte, damit die universelle Ordnung hinter der sichtbaren Welt darzustellen. Seine Bewegung hieß De Stijl (Der Stil).
🔬 Interaktive Simulation
Abstraktion: Von der Figur zur Form
✏️ Aufgabe
Aufgabe 8: Male ein kleines Bild (A5) im Stil des Expressionismus: Wähle ein einfaches Motiv (Gesicht, Baum, Stadt), aber verändere die Farben so, dass sie deine Stimmung ausdrücken, nicht die Wirklichkeit. Begründe in 2–3 Sätzen, warum du diese Farben gewählt hast.
Lösung anzeigen
Es gibt keine "falsche" Lösung beim Expressionismus – das ist der Punkt! Eine gute Antwort erklärt den Zusammenhang zwischen Farbwahl und Gefühl: z.B. "Ich habe das Gesicht blau gemalt, weil die Person traurig ist" oder "Das Rot im Hintergrund zeigt die Bedrohlichkeit der Situation". Wichtig: die Farben sind bewusst gewählt, nicht zufällig.