Theater Β· Klasse 7 Β· Lektion 5
Improvisation
- Das Prinzip der Improvisation verstehen
- Die Grundregel βJa, und..." anwenden
- Verschiedene Impro-Γbungen durchfΓΌhren
- Improvisation als Proben- und Kreationsmethode nutzen
Was ist Improvisation?
Improvisation (lat. improvisus = unvorhergesehen) bedeutet, spontan und ohne Vorbereitung zu handeln. Im Theater bezeichnet es Szenen, die ohne festgelegten Text in der Situation entstehen. Improvisation ist kein Gegenteil von KΓΆnnen β im Gegenteil: gute Improvisation erfordert intensives Training, PrΓ€senz und Vertrauen. Sie ist gleichzeitig eine Kunstform fΓΌr sich (Impro-Theater-Shows, Harold, Long Form) und eine zentrale Methode in der Probenarbeit.
Die wichtigste Grundregel: βJa, und..." Ich nehme das Angebot meines Partners an (Ja) und ergΓ€nze es mit etwas Neuem (und). Das Gegenteil ist Blocking: das Ablehnen oder Negieren von Angeboten. Blocking tΓΆtet eine Szene. Zwei weitere Prinzipien: Mach deinen Partner gut aussehen (nicht auf seine Kosten sein) und Vertraue dem Moment (plane nicht zu weit voraus). Der britische Theatermacher Keith Johnstone (1933β2023) gilt als einer der wichtigsten Impro-Theoretiker (Impro: Improvisation and the Theatre, 1979). Die Amerikanerin Viola Spolin entwickelte das System der Theatre Games (Theaterspiele) als Trainingsmethode.
Status im Improvisationstheater
Ein zentrales Konzept bei Johnstone ist der Status: Jede Figur hat eine soziale Machtposition β Hochstatus (dominant, wenig Augenkontakt, langsame Bewegungen) oder Niedrigstatus (unterwΓΌrfig, viel Augenkontakt, schnelle Bewegungen). Status ist nicht fest: Er kann sich in einer Szene verschieben. Und Status ist nicht dasselbe wie sozialer Rang β ein KΓΆnig kann Niedrigstatus zeigen (wenn er Angst hat), ein Bettler Hochstatus (wenn er sicher und gelassen ist).
- Ja, und... β Alle ΓuΓerungen des Partners akzeptieren und ergΓ€nzen. 2-3 Minuten, dann wechseln.
- Freeze Tag β Zwei spielen eine Szene, bei βFreeze!" gefriert alles, ein Dritter ΓΌbernimmt eine Position und beginnt eine vΓΆllig neue Szene.
- Statusspiele β Karten (1=niedrig, 10=hoch) werden verdeckt ans Stirnband geklebt. Alle interagieren entsprechend des sichtbaren Status der anderen.
- Word-at-a-time β Zwei Spieler erfinden gemeinsam eine Geschichte, dabei sagt abwechselnd jeder nur ein Wort.
- Ja, lass uns... β Jemand schlΓ€gt vor: βJa, lass uns..." β Der Partner: βJa, lass uns...!" (begeistert annehmen)
- Playback-Theater β Eine Person erzΓ€hlt eine echte Geschichte; Schauspieler spielen sie spontan nach.
βοΈ Aufgabe
- FΓΌhre die βJa, und..."-Γbung durch: Was hast du bemerkt? Wann war es leicht, wann schwer? Was blockiert uns im echten Leben, Angebote anderer anzunehmen?
- ErklΓ€re den Unterschied zwischen βBlocking" und βAnnehmen" in der Improvisation. Finde ein Beispiel aus dem Alltag, wo Menschen βblocken" statt βja, und..." zu sagen.
- Improvisiere eine kurze Szene (2 Minuten) mit einem Partner: Die Ausgangssituation ist eine Busstation. Ihr wisst nichts weiter. Was entsteht?
- Was macht gute Improvisation aus? Welche Eigenschaften muss ein Impro-Schauspieler haben β und welche dieser Eigenschaften wΓ€ren auch im Alltag nΓΌtzlich?