🦉

Philosophie · Klasse 7 · Lektion 8

Existenzialismus: Freiheit, Verantwortung, Absurdität

🎯 Lernziele:
  • Philosophisch denken und argumentieren

Die Philosophie der menschlichen Existenz

Der Existenzialismus ist eine philosophische Strömung des 20. Jahrhunderts, die den Menschen als radikal freies Wesen in einer sinnlosen Welt versteht. Wichtigste Vertreter: Søren Kierkegaard (1813–1855, dänischer Vorläufer), Martin Heidegger (1889–1976), Jean-Paul Sartre (1905–1980), Simone de Beauvoir (1908–1986), Albert Camus (1913–1960).

Sartres Grundthese: "Die Existenz geht der Essenz voraus." Bei Dingen (z.B. einem Messer) geht das Wesen (Zweck) der Existenz voraus – der Schreiner denkt erst die Form, dann macht er das Messer. Beim Menschen ist es umgekehrt: Erst existieren wir, dann definieren wir uns durch unsere Entscheidungen. Es gibt keine vorgegebene "menschliche Natur". Wir sind zur Freiheit verurteilt.

Diese radikale Freiheit bringt Verantwortung: Wer sagt "ich konnte nicht anders", lügt sich an – das nannte Sartre mauvaise foi (schlechter Glaube, Selbstbetrug). Man kann immer wählen, auch wenn man zwischen schlechten Alternativen wählt. Indem wir wählen, wählen wir für die ganze Menschheit.

Camus formulierte das Absurde: Die Welt hat keinen Sinn, aber der Mensch sehnt sich nach Sinn. Aus diesem Widerspruch entsteht das Absurde. Camus' Antwort: nicht Selbstmord, nicht religiöser Sprung ins Jenseits, sondern Revolte: Man muss sich Sisyphus glücklich vorstellen. Trotz der Sinnlosigkeit weiter machen – das ist Würde.

Schlüsselbegriffe des Existenzialismus:
Geworfenheit (Heidegger) – wir sind ohne unser Zutun in eine Welt "geworfen", ohne zu fragen ob wir das wollen
Angst – die Grundstimmung, die uns unsere Freiheit und Endlichkeit bewusst macht
In-der-Welt-sein (Heidegger) – wir sind nie losgelöste Bewusstseine, sondern immer schon in der Welt verankert
Mauvaise foi (Sartre) – Selbstbetrug: so tun, als habe man keine Wahl
Das Absurde (Camus) – Widerspruch zwischen menschlichem Sinnverlangen und schweigender Welt
Revolte (Camus) – das bewusste Weiterhandeln trotz Absurdität

🔬 Interaktive Simulation

Existenzialismus: Drei Kernpositionen SARTRE Existenz vor Essenz Der Mensch hat kein vorgegebenes Wesen. Er erschafft sich selbst durch seine Entscheidungen. "Zur Freiheit verurteilt" "L'être et le néant" (1943) HEIDEGGER Sein und Zeit Das Dasein (Mensch) fragt nach dem Sinn des Seins. Geworfenheit + Angst als Zeuge unserer Endlichkeit. "Das Sein zum Tode" "Sein und Zeit" (1927) CAMUS Der Absurdismus Welt hat keinen Sinn – Mensch sehnt sich danach. Keine Selbsttötung, kein religiöser Ausweg: Revolte! "Sisyphus muss man sich glücklich vorstellen"

✏️ Aufgabe

Aufgaben:
1. Erkläre Sartres These "Die Existenz geht der Essenz voraus" an einem konkreten Beispiel.
2. Was meint Sartre mit "mauvaise foi" (schlechtem Glauben)? Nenne ein Alltagsbeispiel.
3. Was versteht Camus unter dem Absurden? Wie soll man damit umgehen?
4. Erkläre das Bild des Sisyphus bei Camus. Was ist die philosophische Botschaft?
5. Was bedeutet Heideggers Begriff "Geworfenheit"?
← Lektion Quiz starten 🧩 Lektion →