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Philosophie Β· Klasse 7 Β· Lektion 5

Erkenntnistheorie: Rationalismus und Empirismus

🎯 Lernziele:
  • Philosophisch denken und argumentieren

Woher kommt unser Wissen?

Die Erkenntnistheorie fragt: Wie kommen wir zu wahrem Wissen? Es gibt zwei klassische Antworten, die in der Neuzeit in großen philosophischen Streit gerieten: der Rationalismus und der Empirismus.

Der Rationalismus (von lateinisch ratio: Vernunft) behauptet, echtes Wissen komme aus der Vernunft, nicht aus den Sinnen. Die Sinne tΓ€uschen uns (der Stock sieht im Wasser gebogen aus; Fieber verfΓ€lscht Wahrnehmung). Nur durch reines Denken erkennen wir Notwendiges und Ewiges. Wichtigste Rationalisten: RenΓ© Descartes (1596–1650), Baruch Spinoza (1632–1677), Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716).

Descartes' berΓΌhmter Ausgangspunkt: "Cogito, ergo sum" – Ich denke, also bin ich. Er zweifelte an allem, was zweifelhaft sein kΓΆnnte. Auch an der Außenwelt kann man zweifeln (Traumargument, bΓΆser DΓ€mon). Aber am Zweifel selbst kann man nicht zweifeln – denn um zu zweifeln, muss man denken; und wer denkt, existiert. Daraus zog Descartes sichere Grundlagen fΓΌr sein WissensgebΓ€ude.

Der Empirismus (von griechisch empeiria: Erfahrung) behauptet, alles Wissen stamme aus der Sinneserfahrung. Der Verstand ist bei der Geburt ein "leeres Blatt" (tabula rasa). Wichtigste Empiristen: John Locke (1632–1704), George Berkeley (1685–1753), David Hume (1711–1776). Hume: Selbst der Begriff der KausalitΓ€t ("A verursacht B") ist nur eine Gewohnheit, kein notwendiges Denken.

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Rationalismus vs. Empirismus RATIONALISMUS Quelle des Wissens: Vernunft β€’ Angeborene Ideen (ideae innatae) β€’ Wissen durch Denken, nicht Sinne β€’ Sicherheit durch Deduktion β€’ Descartes: "Cogito, ergo sum" β€’ Mathematik als Ideal: 2+2=4 ist immer wahr, unabhΓ€ngig v. Erfahrung Vertreter: Descartes, Spinoza, Leibniz EMPIRISMUS Quelle des Wissens: Erfahrung β€’ Geist bei Geburt: tabula rasa β€’ Wissen nur durch Sinneserfahrung β€’ Wissen ist immer unsicher β€’ Hume: KausalitΓ€t = nur Gewohnheit β€’ Locke: "Es gibt keine angeborenen Ideen – Verstand = leeres Blatt" Vertreter: Locke, Berkeley, Hume
Kants Synthese: Immanuel Kant (1724–1804) vereinte Rationalismus und Empirismus:
"Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind."
β†’ Wissen entsteht durch das Zusammenspiel von Sinnesdaten (Empirismus) und Verstandeskategorien (Rationalismus).
β†’ Kants Revolution: Nicht der Erkennende richtet sich nach den Objekten, sondern die Objekte nach den Erkenntnisstrukturen des Erkennenden (Kopernikanische Wende).

✏️ Aufgabe

Aufgaben:
1. ErklΓ€re den Unterschied zwischen Rationalismus und Empirismus in eigenen Worten.
2. Was bedeutet Descartes' Aussage "Cogito, ergo sum"? Welchen Beweis liefert er darin?
3. Was ist die tabula rasa-These? Wer vertrat sie und was bedeutet sie fΓΌr das Menschenbild?
4. Was ist Humes Kritik am KausalitΓ€tsbegriff?
5. Was meint Kant mit der "Kopernikanischen Wende" in der Erkenntnistheorie?
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