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Philosophie · Klasse 7 · Lektion 10

Philosophie der Gegenwart: Sprache, Wahrheit, Wittgenstein

🎯 Lernziele:
  • Philosophisch denken und argumentieren

Die sprachliche Wende der Philosophie

Im 20. Jahrhundert erfuhr die Philosophie eine Revolution: die Linguistic Turn (sprachliche Wende). Philosophische Probleme entstehen oft durch Sprachverwirrung, nicht durch die Dinge selbst. Sprache ist nicht einfach ein transparentes Fenster zur Welt – sie formt unser Denken.

Ludwig Wittgenstein (1889–1951) ist der bedeutendste Sprachphilosoph des 20. Jahrhunderts. Im Tractatus Logico-Philosophicus (1921) schrieb er: "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt." Was sich nicht sprachlich ausdrücken lässt (Ethik, Ästhetik, das Mystische), worüber muss man schweigen: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Später verwarf Wittgenstein seine eigene Frühphilosophie. In den Philosophischen Untersuchungen (1953, posthum) entwickelte er die Theorie der Sprachspiele: Sprache hat keine feste Bedeutungsstruktur. Wörter bekommen ihre Bedeutung durch Gebrauch in einer Praxis, einem "Lebensform". "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache."

Weitere wichtige Strömungen der Gegenwartsphilosophie: Kritische Theorie (Frankfurter Schule: Horkheimer, Adorno, Habermas) – Gesellschaftskritik aus philosophischer Sicht; Feministische Philosophie (Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es"); Poststrukturalismus (Foucault, Derrida) – Machtkritik, Dekonstruktion; Analytische Philosophie (Russell, Frege, Quine) – Logische Analyse von Sprache und Wissenschaft.

🔬 Interaktive Simulation

Wittgenstein: Früh- und Spätphilosophie Tractatus (1921) – Frühwerk Bildtheorie der Sprache: Sätze sind Bilder der Wirklichkeit. Sprache bildet Tatsachen ab. Grenzen der Sprache: Ethik, Ästhetik, Gott = unsagbar. Nur Naturwissenschaft sagbar. "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Phil. Untersuchungen (1953) – Spätwerk Sprachspiele: Sprache = Regelgesteuertes Tun. Verschiedene Sprachspiele (Befehlen, Beschreiben, Bitten, Beten...) Bedeutung = Gebrauch: Keine feste Bedeutung ohne Kontext. Familienähnlichkeit statt Definition. "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache."
Zeitlinie der Gegenwartsphilosophie:
• 1921: Wittgenstein – Tractatus Logico-Philosophicus (Sprachlogik)
• 1927: Heidegger – Sein und Zeit (Existenzphilosophie)
• 1943: Sartre – Das Sein und das Nichts (Existenzialismus)
• 1944: Adorno/Horkheimer – Dialektik der Aufklärung (Kritische Theorie)
• 1949: Simone de Beauvoir – Das andere Geschlecht (Feminismus)
• 1971: John Rawls – Eine Theorie der Gerechtigkeit (Politische Philosophie)

✏️ Aufgabe

Aufgaben:
1. Was meint Wittgenstein mit "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt"?
2. Erkläre den Begriff "Sprachspiel" bei dem späten Wittgenstein. Gib ein Beispiel.
3. Was ist der Unterschied zwischen Wittgensteins Früh- und Spätphilosophie?
4. Was bedeutet Beauvoirs Aussage "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es"?
5. Wähle eine der in dieser Lektion genannten Strömungen (Kritische Theorie, Feminismus, Poststrukturalismus) und erkläre, womit sie sich beschäftigt.
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