🌎 Kapitel 4 – Den Menschen und die Welt denken

LER Klasse 7 · Berlin/Brandenburg · Themenfeld 3.4

1. Menschenbilder

Was macht den Menschen zum Menschen? Wie unterscheidet er sich von Tieren? Diese Fragen beschäftigen Philosophen, Religionen und Wissenschaften seit Jahrtausenden – und führen zu sehr verschiedenen Antworten.

Menschenbild: Die grundlegende Vorstellung davon was der Mensch ist, was ihn ausmacht und welchen Platz er in der Welt einnimmt. Menschenbilder prägen Erziehung, Politik, Recht und Ethik.
Tradition / DenkerMenschenbild
AristotelesMensch als "vernünftiges, soziales Tier" (zoon politikon, zoon logikon)
ChristentumMensch als Ebenbild Gottes (Imago Dei), Würde durch Schöpfung
Humanismus (Renaissance)Mensch als Mittelpunkt, Vernunft und Freiheit als höchste Werte
Aufklärung (Kant)Mensch als autonomes Vernunftwesen, fähig zur Selbstgesetzgebung
Darwin / EvolutionstheorieMensch als Teil der Natur, durch natürliche Selektion entstanden
MarxMensch als arbeitsschaffendes, gesellschaftliches Wesen (homo faber)
FreudMensch als triebgesteuertes Wesen (Es, Ich, Über-Ich)
IslamMensch als Stellvertreter Gottes auf Erden (Khalifa), verantwortlich für Schöpfung

1.1 Was ist Menschenwürde?

Menschenwürde ist die unveräußerliche, jedem Menschen innewohnende Würde allein aufgrund seines Menschseins.

Grundgesetz Art. 1 "Die Würde des Menschen ist unantastbar." – absolutes Grundrecht
Kant Menschen nie nur als Mittel, immer auch als Zweck behandeln (Formel der Menschheit)
UN-Charta 1948 Fundament aller 30 Menschenrechtsartikel
Religionen Gottesebenbild (Christentum, Islam, Judentum), Atman (Hinduismus), Buddha-Natur (Buddhismus)

1.2 Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse?

PositionVertreterKernthese
Gut von NaturRousseau"Edler Wilder": Mensch von Natur gut, durch Gesellschaft verdorben
Böse von NaturHobbes"homo homini lupus": Mensch ist dem Menschen ein Wolf – braucht Staat und Gesetz
Weder nochAristoteles, LockeMensch ist neutral, Charakter entsteht durch Erziehung und Erfahrung
ErbsündeAugustinusMensch nach Sündenfall von Natur aus sündhaft, braucht Gnade
Weder gut noch böseBuddhismusMensch hat Buddha-Natur, kann durch Praxis Erleuchtung erlangen

2. Weltbilder im Wandel

Weltbild: Die Gesamtvorstellung davon wie die Welt aufgebaut ist, wie sie entstanden ist und welchen Platz der Mensch darin einnimmt.
WeltbildBeschreibungBeispiel
MythischWelt durch Götterhandeln erklärtGriechische Götter, nordische Schöpfungsmythen
GeozentrischErde im Mittelpunkt des UniversumsPtolemäus (2. Jh. n. Chr.), lange kirchliche Lehre
HeliozentrischSonne im Mittelpunkt des SonnensystemsKopernikus (1543), Galilei, Kepler
ReligiösGott als Schöpfer und Lenker der WeltSchöpfungsberichte (Genesis, Sure 2, Rigveda)
NaturwissenschaftlichWelt durch physikalische Gesetze erklärbarUrknalltheorie, Evolutionstheorie
Virtual/DigitalVirtuelle Realitäten als neue WeltebeneMetaverse, Simulationstheorie

2.1 Logos und Mythos

Mythos (griech. = Erzählung, Geschichte): Erklärt die Welt durch Geschichten über Götter, Helden und übernatürliche Kräfte. Nicht primär auf Fakten aus, sondern auf Bedeutung und Sinn.

Logos (griech. = Vernunft, Wort): Erklärt die Welt durch rationale Argumente, Beweise und logisches Denken. Grundlage der Philosophie und Wissenschaft.

Beide sind menschliche Weisen, die Welt zu verstehen – sie schließen sich nicht zwingend aus.

3. Gottesvorstellungen

BegriffBedeutungBeispiel
MonotheismusGlaube an einen einzigen GottChristentum, Islam, Judentum
PolytheismusGlaube an viele GötterAntike Griechen, Römer, Hinduismus (oberflächlich)
PantheismusGott = Natur / Universum (alles ist Gott)Spinoza, Teile des Hinduismus
DeismusGott schuf die Welt, greift aber nicht einAufklärer wie Voltaire
AtheismusÜberzeugung dass kein Gott existiertMarx, Feuerbach, viele moderne Menschen
AgnostizismusGottes Existenz ist nicht beweisbar/widerlegbarHuxley, viele Zeitgenossen

4. Heilige Schriften

ReligionHeilige Schrift(en)Besonderheit
ChristentumBibel (AT + NT)Altes Testament = Tenach des Judentums; NT = Evangelien, Briefe
IslamKoranDirekte Offenbarung Gottes an Mohammed, auf Arabisch
JudentumTenach, TalmudTenach = Torah + Propheten + Schriften; Talmud = Gesetzesauslegung
HinduismusVeden, Upanishaden, BhagavadgitaVeden = älteste religiöse Texte der Menschheit
BuddhismusTripitaka (Pali-Kanon)Gesammeltes Werk der Lehrreden Buddhas

5. Übungen – Menschen- und Weltbilder

🧠 Multiple Choice – Menschenbilder (14 Fragen)
Frage 1 von 140 %

1. Was bedeutet "Imago Dei" im Christentum?

🧠 Multiple Choice – Weltbilder und Gottesvorstellungen (14 Fragen)
Frage 1 von 140 %

1. Was ist der Koran im Islam?

✏️ Lückentext: Menschenbilder
Aristoteles bezeichnete den Menschen als " Tier" (zoon politikon). Im Christentum gilt der Mensch als Gottes (Imago Dei). Hobbes meinte "homo homini lupus" – der Mensch ist dem Menschen ein . Rousseau glaubte dagegen, der Mensch sei von Natur aus . Darwin zeigte dass der Mensch durch entstanden ist.
✏️ Lückentext: Weltbilder
Das Weltbild mit der Erde im Mittelpunkt heißt . Kopernikus zeigte 1543 dass die im Mittelpunkt steht (). Die Erklärung der Welt durch Göttergeschichten nennt man . Rationale Welterklärung durch Beweise und Argumente nennt man .
✏️ Lückentext: Gottesvorstellungen
Der Glaube an einen einzigen Gott heißt . Der Glaube dass Gott und Natur identisch sind heißt . Die Überzeugung dass kein Gott existiert heißt . Wer meint die Frage sei nicht beantwortbar, ist . Der Glaube dass Gott die Welt schuf aber nicht eingreift heißt .
✏️ Lückentext: Heilige Schriften
Die heilige Schrift des Islam heißt . Die christliche Bibel besteht aus Altem und Testament. Die ältesten hinduistischen Texte heißen . Die rabbinischen Gesetzesdiskussionen im Judentum heißen . Die Schriften Buddhas werden im Theravada als bezeichnet.
✅✗ Richtig oder Falsch: Menschenbilder

1. Hobbes glaubte der Mensch sei von Natur aus gut.

2. Im Christentum gilt der Mensch als Ebenbild Gottes (Imago Dei).

3. Darwin lehrte dass der Mensch aus dem Nichts erschaffen wurde.

4. Das geozentrische Weltbild besagt die Erde stehe im Mittelpunkt des Universums.

5. Monotheismus bezeichnet den Glauben an viele Götter.

6. Marx sah den Menschen primär als arbeitsschaffendes, gesellschaftliches Wesen.

✅✗ Richtig oder Falsch: Weltbilder und Gottesvorstellungen

1. Agnostizismus bedeutet die feste Überzeugung dass kein Gott existiert.

2. Der Koran gilt im Islam als direkte Offenbarung Gottes an Mohammed.

3. Pantheismus besagt dass Gott die Welt schuf und sich danach zurückzog.

4. Die Veden gelten als die ältesten religiösen Schriften des Hinduismus.

5. Kreationismus und Evolutionstheorie sind problemlos vereinbar.

🔄 Zuordnung: Menschenbilder

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Aristoteles
Hobbes
Rousseau
Kant
Darwin
Marx
Erklärungen
Homo faber – Mensch schafft sich durch Arbeit, Entfremdung durch Kapitalismus
Autonomes Vernunftwesen – Mensch ist fähig zur Selbstgesetzgebung
"Homo homini lupus" – ohne Staat Krieg aller gegen alle (Leviathan nötig)
"Edler Wilder" – Mensch von Natur gut, Gesellschaft macht ihn böse
"Vernünftiges soziales Tier" – Mensch entfaltet sich durch Vernunft und Gemeinschaft
Mensch durch natürliche Selektion entstanden – Teil der Natur
🔄 Zuordnung: Gottesvorstellungen

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Monotheismus
Polytheismus
Pantheismus
Deismus
Atheismus
Agnostizismus
Erklärungen
Gott und Natur/Universum sind identisch – Gott ist in allem (Spinoza)
Glaube an viele Götter (antikes Griechenland, Rom)
Glaube an einen einzigen Gott (Christentum, Islam, Judentum)
Überzeugung dass kein Gott existiert (Marx, Feuerbach)
Gottes Existenz ist nicht beweisbar/widerlegbar – bewusstes Nicht-Wissen
Gott schuf die Welt, greift aber nicht mehr ein (Voltaire, Aufklärer)
🔄 Zuordnung: Heilige Schriften

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Bibel
Koran
Tenach
Veden
Tripitaka
Bhagavadgita
Erklärungen
Heilige Schrift des Christentums: Altes Testament + Neues Testament
Drei-Körbe-Sammlung der Lehrreden und Regeln Buddhas (Theravada-Buddhismus)
Hinduistisches Lehrgedicht: Gespräch zwischen Arjuna und Gott Krishna
Älteste religiöse Texte des Hinduismus (ca. 1500–500 v. Chr.)
Heilige Schrift des Islam – direkte Offenbarung Gottes an Mohammed
Heilige Schrift des Judentums: Torah, Propheten (Neviim), Schriften (Ketuvim)
🔄 Sortieren: Weltbilder – chronologisch nach Entstehung

Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge – verschieben oder Pfeile nutzen.

2. Jahrhundert n. Chr.: Ptolemäus – geozentrisches Weltbild (Erde im Mittelpunkt)
1929: Hubble entdeckt Expansion des Universums – Grundlage Urknalltheorie
1915: Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie verändert Raum-Zeit-Verständnis
1859: Darwin – Evolutionstheorie: Mensch durch natürliche Selektion
Mythische Weltbilder der Antike: Götter als Erklärung der Naturphänomene
1610: Galilei bestätigt Heliozentrismus mit dem Teleskop
1543: Kopernikus – heliozentrisches Weltbild (Sonne im Mittelpunkt)
🔄 Sortieren: Geschichte der Religionskritik

Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge – verschieben oder Pfeile nutzen.

1841: Feuerbach: Gott als Projektion menschlicher Wünsche und Sehnsüchte
ca. 500 v. Chr.: Xenophanes kritisiert anthropomorphe Göttervorstellungen
1976: Dawkins: Evolutionäre Erklärung religiöser Phänomene (später "Der Gotteswahn" 2006)
1723: Voltaire kritisiert institutionelle Religion und Aberglauben
1843: Marx: Religion ist "Opium des Volkes" – Vertröstung statt Veränderung
1882: Nietzsche erklärt "Gott ist tot" – Nihilismus als Folge
1927: Freud: Religion als Illusion und kollektive Neurose
🕑 Zeitstrahl: Wichtige Ereignisse in der Religionsgeschichte

Bringe die Ereignisse in die richtige zeitliche Reihenfolge (ältestes zuerst).

🕑 ca. 2000 v. Chr.: Abraham – Begründer des monotheistischen Glaubens (Judentum, Christentum, Islam)
🕑 ca. 4 v. Chr.: Geburt Jesu – Entstehung des Christentums
🕑 1948: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – säkulare Grundlage globaler Ethik
🕑 622 n. Chr.: Hidschra – Mohammed flieht von Mekka nach Medina – Beginn des islamischen Kalenders
🕑 1543: Kopernikus – heliozentrisches Weltbild fordert religiöse Weltanschauung heraus
🕑 ca. 563 v. Chr.: Geburt Siddhartha Gautamas (Buddha) – Entstehung des Buddhismus
🕑 1517: Luthers Thesenanschlag – Beginn der Reformation
🕑 1054: Großes Schisma – Spaltung in katholische und orthodoxe Kirche
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1. Rousseau glaubte, der Mensch sei von Natur aus böse und brauche strenge Gesetze.

2. Das geozentrische Weltbild besagt, die Sonne stehe im Mittelpunkt.

3. Monotheismus bezeichnet den Glauben an viele Götter.

4. Der Koran ist die heilige Schrift des Judentums.

5. Agnostizismus bedeutet die feste Überzeugung, dass kein Gott existiert.

📚 Zitat: Marx über Religion
Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.
— Karl Marx (1818–1883)

1. Was meint Marx mit "Opium des Volkes"? Erkläre in eigenen Worten. (3 Punkte)

2. Nenne ein Argument für und ein Argument gegen Marx Religionskritik. (3 Punkte)

3. Wie würde ein gläubiger Mensch auf dieses Zitat antworten? (3 Punkte)

📝 Mini-Klausur: Menschen- und Weltbilder (20 Punkte)

Gesamt: 20 Punkte

Aufgabe 1 (6 Punkte)

Erkläre drei verschiedene Menschenbilder und nenne je den Denker oder die Tradition. (6 Punkte)

Aufgabe 2 (4 Punkte)

Was ist der Unterschied zwischen Mythos und Logos? Nenne je ein Beispiel. (4 Punkte)

Aufgabe 3 (8 Punkte)

Erkläre vier verschiedene Gottesvorstellungen und ordne je ein Beispiel zu. (8 Punkte)

Aufgabe 4 (2 Punkte)

Welche Aussage machte Kopernikus 1543 und welche Bedeutung hatte sie? (2 Punkte)

🕑 Flashcards: Menschen- und Weltbilder

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