🤵 Kapitel 3 – Menschsein: Existenzielle Erfahrung

LER Klasse 7 · Berlin/Brandenburg · Themenfeld 3.3

1. Gefühle und Emotionen

Gefühle gehören untrennbar zum Menschsein. Sie leiten unser Handeln, prägen unsere Beziehungen und sind kulturell verschieden ausgeprägt. Die Psychologie unterscheidet verschiedene Begriffe:

BegriffErklärungBeispiel
EmotionKurzfristige, intensive Reaktion auf einen AuslöserErschrecken, Überraschungsfreude
GefühlBewusst wahrgenommene emotionale Erfahrung"Ich fühle mich glücklich"
StimmungLängerfristiger Zustand ohne klaren AuslöserMelancholie, Grundoptimismus
AffektÜberwältigende, unkontrollierte EmotionWutausbruch, Lachflash
Paul Ekman (1972) identifizierte sechs kulturübergreifende Grundemotionen:
Freude Trauer Wut Angst Überraschung Ekel
Diese werden weltweit gleich im Gesicht ausgedrückt – sie sind angeboren, nicht erlernt.

2. Glück – Was ist ein gutes Leben?

Denker / AnsatzVerständnis von Glück
AristotelesEudaimonia: gelingendes, tugendgemäßes Leben – nicht bloßes Lustgefühl
EpikurHedonismus: Lust (Hedone) und Abwesenheit von Schmerz (Ataraxie)
StoaApatheia: Seelenruhe durch Vernunft – äußere Dinge können mich nicht erschüttern
ChristentumBeatitudo: vollkommenes Glück als Gottesnähe, vollständig erst im Jenseits
BuddhismusNirwana: Befreiung vom Leiden durch Auflösung von Begehren
Viktor FranklSinn als Glücksquelle (Logotherapie): Werkverwirklichung, Erleben, Einstellung

3. Leiden und Tod

Theodizee-Problem: Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist – warum gibt es Leid in der Welt?
Lösungsversuche: Freier Wille des Menschen / Leid als Prüfung und Wachstumschance / verborgener Gottesplan / atheistische Antwort: Es gibt keinen Gott, also kein Problem.
Elisabeth Kübler-Ross (1969) – Fünf Trauerphasen:
1. Verleugnen 2. Wut 3. Verhandeln 4. Depression 5. Akzeptanz
Wichtig: Diese Phasen sind nicht linear – Menschen springen vor und zurück.
Religion / WeltanschauungVorstellung vom Tod
ChristentumAuferstehung, ewiges Leben bei Gott
IslamJüngster Tag, Paradies oder Hölle
HinduismusReinkarnation, Ziel: Moksha (Befreiung)
BuddhismusWiedergeburt ohne feste Seele, Ziel: Nirwana
AtheismusTod als Ende – Leben hat Wert durch das Gelebte
Epikur"Der Tod ist nichts für uns" – wenn er da ist, sind wir nicht mehr

4. Wahrheit und Sinn

Wahrheitstheorien:
Korrespondenz Wahr = was der Wirklichkeit entspricht (Aristoteles)
Kohärenz Wahr = was widerspruchsfrei ins System passt
Pragmatisch Wahr = was sich im Leben bewährt (William James)
Perspektivismus Es gibt nur Perspektiven, keine absolute Wahrheit (Nietzsche)
Viktor Frankl (1905–1997) – Logotherapie:
Holocaust-Überlebender. Kernthese: Der primäre menschliche Antrieb ist die Suche nach Sinn.
Drei Sinnquellen: Wertverwirklichung (durch Arbeit/Schöpfung) Erleben (durch Liebe und Schönheit) Einstellung (zum unvermeidbaren Leiden)

5. Übungen – Existenzielle Erfahrungen

🧠 Multiple Choice – Gefühle und Glück (14 Fragen)
Frage 1 von 140 %

1. Was versteht man unter "Eudaimonia" bei Aristoteles?

✏️ Lückentext: Glück und Trauer
Aristoteles nannte das höchste Glück "". Den Hedonismus – Glück als Lust – vertrat . Die Abwesenheit seelischer Unruhe nannte er . Die fünf Trauerphasen beschrieb . Die erste Phase heißt .
✏️ Lückentext: Sinn und Tod
Viktor Frankl entwickelte die . Er überlebte den . Seine drei Sinnquellen sind Werkverwirklichung, Erleben und . Im Hinduismus heißt das Ziel der Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburt . Im Buddhismus lautet das entsprechende Ziel .
✏️ Lückentext: Wahrheit und Erkenntnis
Wissen durch Beobachtung und Experiment nennt man . Die Ansicht dass Vernunft die primäre Erkenntnisquelle ist, heißt . Descartes sagte: "Cogito ergo sum" – ich , also bin ich. Die These dass Wahrheit der Wirklichkeit entspricht, heißt .
✏️ Lückentext: Emotionen
Paul identifizierte sechs kulturübergreifende Grundemotionen. Eine kurzfristige intensive Reaktion auf einen Auslöser nennt man . Ein längerfristiger emotionaler Grundzustand ohne klaren Auslöser heißt . Eine überwältigende, unkontrollierte Emotion nennt man .
✅✗ Richtig oder Falsch: Gefühle und Glück

1. Aristoteles sah Glück (Eudaimonia) als bloßes Lustgefühl.

2. Paul Ekman zeigte dass Grundemotionen kulturübergreifend universal sind.

3. Die fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross werden immer strikt nacheinander durchlaufen.

4. Viktor Frankl überlebte Konzentrationslager und entwickelte daraus die Logotherapie.

5. Das Theodizee-Problem betrifft nur Atheisten.

6. Epikur lehrte dass man Glück durch möglichst viele intensive Lustzustände erreicht.

✅✗ Richtig oder Falsch: Tod und Wahrheit

1. Im Buddhismus überträgt sich eine permanente Seele in den neuen Körper – genau wie im Hinduismus.

2. Die Korrespondenztheorie besagt dass wahr ist was der Wirklichkeit entspricht.

3. Für Epikur ist der Tod etwas Beängstigendes das vermieden werden sollte.

4. Viktor Frankl sah die Sinnsuche als primären menschlichen Antrieb.

5. Im Christentum glaubt man an Reinkarnation wie im Hinduismus.

🔄 Zuordnung: Glücksvorstellungen

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Aristoteles (Eudaimonia)
Epikur (Ataraxie)
Stoa (Apatheia)
Christentum (Beatitudo)
Buddhismus (Nirwana)
Frankl (Logotherapie)
Erklärungen
Glück als ruhige Lust und Abwesenheit von seelischer Unruhe und Schmerz
Vollkommenes Glück als Gottesnähe – vollständig erst im Jenseits erreichbar
Sinn als Glücksquelle: Werkverwirklichung, Erleben und Einstellung zum Leiden
Befreiung vom Leiden durch Auflösung von Begehren und Anhaftung
Seelenruhe durch Vernunft und Beherrschung der Leidenschaften
Glück als gelingendes, tugendgemäßes Leben und Entfaltung der eigenen Möglichkeiten
🔄 Zuordnung: Todesvorstellungen

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Christentum
Islam
Hinduismus
Buddhismus
Epikur
Atheismus
Erklärungen
Reinkarnation der Seele (Atman), Karma, Ziel: Moksha (Befreiung)
Auferstehung des Leibes und ewiges Leben bei Gott nach dem Jüngsten Gericht
"Der Tod ist nichts für uns" – wenn er da ist, existieren wir nicht mehr
Tod als endgültiges Ende – Leben hat Wert durch das jetzt Gelebte
Jüngster Tag, Paradies (Janna) oder Hölle (Jahannam)
Wiedergeburt eines Bewusstseinsstroms ohne Seele, Ziel: Nirwana
🔄 Zuordnung: Erkenntnistheorie

Ziehe die Begriffe auf die richtige Erklärung oder tippe erst auf Begriff, dann auf Ziel.

Begriffe
Empirie
Rationalismus
Korrespondenztheorie
Pragmatismus
Agnostizismus
Nihilismus
Erklärungen
Wahr ist was sich im Leben bewährt und nützlich ist (William James)
Wahr ist was der Wirklichkeit entspricht (Aristoteles)
Die Frage nach Gottes Existenz ist nicht beantwortbar – bewusstes Nicht-Wissen
Es gibt keine objektiven Werte, Wahrheiten oder Sinn im Leben
Vernunft und logisches Denken als primäre Erkenntnisquelle
Wissen durch Sinneserfahrung, Beobachtung und Experiment
🔄 Sortieren: Kübler-Ross – Fünf Trauerphasen

Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge – verschieben oder Pfeile nutzen.

1. Verleugnen – "Das kann nicht wahr sein" – Schockreaktion
3. Verhandeln – "Wenn ich nur..." – Versuch etwas zu ändern
2. Wut – "Warum ich?" – Zorn auf das Unrecht
4. Depression – tiefer Schmerz, Rückzug, Weinen
5. Akzeptanz – Annehmen der Realität, Neuorientierung
🔄 Sortieren: Geschichte des Glücksbegriffs – chronologisch

Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge – verschieben oder Pfeile nutzen.

ca. 300 v. Chr.: Stoa – Apatheia durch Vernunft und Gleichmut
2000: Seligman – PERMA-Modell der Positiven Psychologie
1776: Utilitarismus (Bentham) – Glück = maximaler Nutzen für die meisten
ca. 300 v. Chr.: Epikur – Ataraxie als ruhige Freude und Schmerzfreiheit
ca. 350 v. Chr.: Aristoteles – Eudaimonia als tugendgemäßes Leben
1946: Frankl – Sinn als Glücksquelle, Logotherapie nach KZ-Erfahrungen
1943: Maslow – Bedürfnispyramide mit Selbstverwirklichung an der Spitze
🕑 Zeitstrahl: Philosophen und ihre Antworten auf die Sinnfrage

Bringe die Ereignisse in die richtige zeitliche Reihenfolge (ältestes zuerst).

🕑 17. Jh.: Descartes – "Cogito ergo sum" – Denken als Seinsbeweis
🕑 ca. 470 v. Chr.: Sokrates – "Erkenne dich selbst" – Selbstreflexion als Grundlage
🕑 1946: Frankl – Sinn als primärer menschlicher Antrieb (Logotherapie)
🕑 1724: Kant – kategorischer Imperativ: Vernunft als Grundlage der Moral
🕑 ca. 341 v. Chr.: Epikur – Ataraxie: ruhige Freude als höchstes Gut
🕑 ca. 384 v. Chr.: Aristoteles – Eudaimonia: Glück durch Tugend und Vernunft
🕑 1944: Sartre – "Existenz geht der Essenz voraus" – Mensch schafft sich selbst
🕑 1844: Kierkegaard – Existenz als Sprung in den Glauben
🔍 Fehler finden: Existenzielle Erfahrungen

Korrigiere den inhaltlichen Fehler.

1. Aristoteles sah Glück (Eudaimonia) als bloßes Lustgefühl und Wohlbefinden.

2. Die fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross enden immer mit Wut.

3. Das Theodizee-Problem fragt warum Gott nicht allmächtig ist.

4. Im Buddhismus überträgt sich nach dem Tod die unvergängliche Seele (Atman) in einen neuen Körper.

5. Viktor Frankl entwickelte die Logotherapie auf Basis seiner Arbeit als Sportlehrer.

📚 Zitat: Viktor Frankl über Sinn und Freiheit
Man kann einem Menschen alles nehmen außer der letzten menschlichen Freiheit – die eigene Einstellung zu den gegebenen Verhältnissen zu wählen.
— Viktor Frankl (1905–1997)

1. Was meint Frankl mit der "letzten menschlichen Freiheit"? Erkläre in eigenen Worten. (3 Punkte)

2. Welchen Bezug hat dieses Zitat zu Frankls Erfahrung im Konzentrationslager? (3 Punkte)

3. Kannst du das Zitat auf eine eigene Situation im Alltag übertragen? Gib ein Beispiel. (3 Punkte)

⚖️ Dilemma: Sterbehilfe – Würde oder Schutz?
Situation: Herr Weber, 78 Jahre alt, leidet an einer unheilbaren Krankheit. Bei vollem Bewusstsein sagt er: "Ich möchte selbst bestimmen wann ich sterbe. Ich möchte nicht leiden bis zum Ende." Sein Arzt und seine Familie sind gespalten: Die einen sehen Selbstbestimmung als höchstes Gut, die anderen fürchten einen Dammbruch.

1. Welche ethischen Werte stehen sich in diesem Dilemma gegenüber?

2. Wie würden Utilitarismus und Kants Deontologie urteilen?

3. Was denkst du? Gibt es eine Grenze der Selbstbestimmung?

📝 Mini-Klausur: Existenzielle Erfahrungen (18 Punkte)

Gesamt: 18 Punkte

Aufgabe 1 (4 Punkte)

Was ist Eudaimonia? Warum unterscheidet sie sich von bloßem Lustgefühl? (4 Punkte)

Aufgabe 2 (6 Punkte)

Erkläre das Theodizee-Problem und nenne zwei Lösungsversuche. (6 Punkte)

Aufgabe 3 (4 Punkte)

Was ist Frankls Logotherapie? Nenne die drei Sinnquellen. (4 Punkte)

Aufgabe 4 (4 Punkte)

Nenne zwei Religionen und ihre Vorstellung vom Tod. (4 Punkte)

🕑 Flashcards: Existenzielle Erfahrungen

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