Geschichte · Klasse 7 · Lektion 7
Erster Weltkrieg (1914–1918)
- Die Julikrise 1914 und ihre Ursachen erläutern
- Verlauf und Charakter des Ersten Weltkriegs beschreiben
- Die Kriegserfahrung der Soldaten und Zivilisten kennen
- Das Kriegsende und seine Folgen einordnen
Die Julikrise – Wie ein Attentat zum Weltkrieg wurde
Am 28. Juni 1914 wurde Erzherzog Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger, in Sarajevo von dem bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip erschossen. Dieser Mord war der Auslöser, nicht die Ursache des Ersten Weltkriegs. Die eigentlichen Ursachen – das europäische Bündnissystem, der Nationalismus, der Imperialismus und der Rüstungswettlauf – bildeten schon lange eine explosive Mischung. Österreich-Ungarn stellte Serbien ein Ultimatum; Russland mobilisierte zum Schutz Serbiens; Deutschland erklärte Russland den Krieg; Frankreich trat auf russischer Seite ein; Deutschland überfiel das neutrale Belgien (Schlieffenplan); England erklärte Deutschland den Krieg. In wenigen Wochen war aus einem Regionalkonflikt ein Weltkrieg geworden.
Der Schlieffenplan sah vor, Frankreich blitzschnell durch Belgien zu besiegen (6 Wochen) und sich dann nach Osten zu wenden. Doch der Plan scheiterte: Frankreich wurde nicht besiegt, und an der Westfront entstand ein festgefahrener Stellungskrieg.
Der Krieg der Schützengräben
Der Erste Weltkrieg brach alle bisherigen Vorstellungen vom Krieg. Statt schneller Entscheidungsschlachten entstand an der Westfront ein Stellungskrieg: Tausende Kilometer Schützengräben, Stacheldraht und Niemandsland. Für wenige Kilometer Geländegewinn starben Hunderttausende. Die Materialschlacht bei Verdun (1916) dauerte fast zehn Monate und kostete ca. 700.000 Menschen das Leben – auf beiden Seiten zusammen. An der Somme (1916) verlor die britische Armee am ersten Tag ca. 60.000 Mann. Neue Waffen – Maschinengewehr, Giftgas (ab 1915), Panzer (ab 1916), Flugzeuge – machten diesen Krieg besonders tödlich.
Der Kriegseintritt der USA (April 1917) veränderte das Kräftegleichgewicht. Gleichzeitig brach in Russland die Revolution aus: Der Zar dankte ab, und die Bolschewiki unter Lenin schlossen den Frieden von Brest-Litowsk (März 1918) mit Deutschland. An der Westfront konnte Deutschland seine Frühjahrsoffensiven (1918) nicht zum Sieg führen. Im Herbst 1918 brach die Heimatfront zusammen: Revolutionen in mehreren deutschen Städten, Kaiser Wilhelm II. dankte ab. Am 11. November 1918 trat der Waffenstillstand in Kraft – der Erste Weltkrieg war vorbei.
- Gesamte Kriegstote: ca. 17 Millionen (Soldaten und Zivilisten)
- Deutschland: ca. 2 Millionen Soldatentote
- Frankreich: ca. 1,4 Millionen
- Russland: ca. 1,7 Millionen
- Großbritannien: ca. 900.000
- Österreich-Ungarn: ca. 1,2 Millionen
- Osmanisches Reich / Armenischer Genozid: ca. 1,5 Millionen Armenier ermordet (1915–1916)
- Spanische Grippe (1918/19): tötete weitere 50–100 Millionen Menschen weltweit – Folge der Kriegsbedingungen
✏️ Aufgabe
- Erkläre, warum das Attentat von Sarajevo zum Auslöser, aber nicht zur Ursache des Ersten Weltkriegs wurde.
- Beschreibe den Alltag eines Soldaten im Schützengraben. Welche psychologischen Folgen hatte dieser Krieg für die Überlebenden?
- Warum scheiterte der Schlieffenplan? Welche Konsequenzen hatte das für den weiteren Kriegsverlauf?
- Analysiere die Kriegsschuldfrage: Wer trägt die Hauptverantwortung für den Ersten Weltkrieg? Diskutiere verschiedene Positionen.
- Welche Bedeutung hat das Datum 11. November 1918 in Europa? Warum wird der 11. November in manchen Ländern als Gedenktag begangen?