Sach- und Gebrauchstexte informieren, erklären, kommentieren oder appellieren. Sie lassen sich nach ihrer Funktion (Textfunktion) einteilen.
Nachricht / BerichtInformierend
Berichtet über Ereignisse objektiv. Fünf W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Wie. Keine Wertung.
📌 Schlagzeile + Textkörper
KommentarMeinungsbildend
Journalistische Meinung und Bewertung. Autor nimmt klar Stellung. Auf Fakten aufbauend.
📌 Argumentation + klare These
ReportageInformierend + erzählend
Erlebnisbericht – Journalist ist dabei. Subjektiv und anschaulich. Atmosphäre und Details.
📌 Szenischer Einstieg, persönlich
LeserbriefMeinungsäußernd
Reaktion von Lesern auf Artikel. Eigene Meinung, Argumente, Bezug auf Ausgangstext.
📌 Briefform, persönlich
InterviewDialogisch
Frage-Antwort-Format. Gibt O-Töne einer Person wieder.
📌 Fragen kursiv, Antworten normal
Sachtext / FachtextErklärend
Erklärt Sachverhalte neutral und klar. Definitionen, Fachbegriffe, Fakten.
📌 Sachlich, klar, fachsprachlich
WerbungAppellierend
Will verkaufen oder überzeugen. Nutzt Emotionen, Bilder, Reizwörter, rhetorische Mittel.
📌 Slogan, Bild, Handlungsaufforderung
Stellungnahme / EssayArgumentierend
Eigene Position mit Argumenten. Essay ist freier, literarischer als Erörterung.
📌 Ich-Perspektive + Argumente
2. Sachtextanalyse – Methode und Vorgehen
Einen Sachtext analysieren bedeutet: Absicht, Struktur, Sprache und Wirkung systematisch untersuchen. Das ist eine Grundkompetenz für Schule, Studium und Beruf.
Schritte der Sachtextanalyse: 1. Einleitung Autor, Titel, Medium, Erscheinungsdatum, Textsorte, Thema 2. Inhalt Kernaussage und Aufbau in eigenen Worten (keine wörtlichen Abschriften) 3. Absicht Was will der Text beim Leser bewirken? Informieren? Überzeugen? Aufrütteln? 4. Sprache Wie schreibt der Autor? Welche sprachlichen Mittel werden eingesetzt? 5. Bewertung Ist der Text überzeugend? Gut belegt? Ausgewogen? Seriosität prüfen 6. Schluss Eigene Einschätzung, Relevanz für Leser / Gesellschaft
2.1 Sachinformation vs. Wertung unterscheiden
Sachinformation
Wertung / Meinung
Fakten, Zahlen, Daten, belegbare Aussagen
Bewertungen, Adjektive mit Wertung, Modalverben ("sollte", "muss")
"In Deutschland leben 84 Millionen Menschen."
"Deutschland ist ein vorbildliches Land."
"Die Temperatur stieg um 1,5°C."
"Das Klimaproblem ist die größte Gefahr unserer Zeit."
Argumentierende Texte wollen überzeugen. Dabei gibt es verschiedene Strategien – manche sind überzeugend, andere manipulativ.
3.1 Argumenttypen
Argumenttyp
Beschreibung
Beispiel
Bewertung
Faktenargument
Belegt mit überprüfbaren Daten
"Laut WHO sterben jährlich 7 Mio. an Luftverschmutzung."
✓ stark wenn Quelle seriös
Normatives Argument
Beruft sich auf Werte, Gesetze, Moral
"Das Grundgesetz garantiert Würde."
✓ stark, aber interpretierbar
Autoritätsargument
Zitiert Experten oder Institutionen
"Prof. Müller von der Charité sagt..."
※ abhängig von Seriosität der Quelle
Analogieargument
Vergleich mit ähnlichem Fall
"In Schweden hat das funktioniert..."
※ gilt nur wenn Vergleich passt
Emotionales Argument
Appell an Gefühle
"Denken Sie an die Kinder!"
⚠ stark wirkend, aber manipulativ möglich
Ad-hominem-Argument
Angriff auf die Person statt Sachargument
"Das sagt ausgerechnet der, der..."
✗ kein Sachargument, manipulativ
Strohmann-Argument
Extremversion der Gegenmeinung aufstellen und widerlegen
"Wer X will, will doch Y!"
✗ unehrlich, manipulativ
3.2 Argumentationsstruktur erkennen
These → Begründung → Beleg → (Einschränkung) → Schlussfolgerung
These: "Soziale Medien schaden der Demokratie." Begründung: "weil sie Filterblasen erzeugen und Falschinformationen verstärken." Beleg: "Laut einer Stanford-Studie (2022) glauben 35 % der Nutzer an nachweislich falsche Informationen." Einschränkung: "Zwar ermöglichen sie auch neue Formen politischer Teilhabe..." Schlussfolgerung: "Dennoch überwiegen die Risiken, weshalb eine stärkere Regulierung notwendig ist."
4. Medienanalyse
4.1 Werbung analysieren
Werbung will überzeugen, ohne dass wir es merken. Eine kritische Analyse deckt die verwendeten Techniken auf.
Umweltfreundlichkeit vortäuschen ohne echte Maßnahmen
"Nachhaltig!" ohne Belege
Angst und Problemlösung
Problem erzeugen, dann Lösung verkaufen
Shampoo-Werbung mit "Schuppen"
4.2 Digitale Kommunikation: Chat, Podcast, Blog
Merkmale digitaler Textsorten im Vergleich: Chat / Messenger Sehr kurz, informell, Abkürzungen (lol, omg), Emojis, fehlertoleranter, dialogisch Blog Persönlich, Ich-Perspektive, regelmäßige Beiträge, Kommentarfunktion, Links Podcast Gesprochen (auditiv), Folgenformat, oft dialogisch, Transkript möglich Newsletter Regelmäßig, per E-Mail, Mix aus Information und Meinung Social Media (Insta/TikTok) Multimodal (Bild/Video/Text), Hashtags, kurz, viral gedacht Graphic Novel Kombiniert Text und Bild (wie Comic), oft komplexe Themen
4.3 Qualitätskriterien für Quellen
Nicht alle Informationen im Netz sind gleichwertig. Quellenprüfung ist eine Kernkompetenz im 21. Jahrhundert.
SIFT-Methode zur Quellenkritik: S – Stop Innehalten bevor man teilt oder glaubt: Ist die Quelle verlässlich? I – Investigate the source Wer steckt dahinter? Welche Interessen hat die Quelle? F – Find better coverage Berichten andere seriöse Quellen dasselbe? T – Trace claims Aussagen zur ursprünglichen Quelle zurückverfolgen
Qualitätskriterium
Frage
Zeichen für Seriosität
Aktualität
Wann wurde das veröffentlicht?
Datum angegeben, aktuell
Transparenz
Wer hat das geschrieben?
Autorenname, Impressum vorhanden
Belege
Woher stammen die Aussagen?
Quellenangaben, Verlinkungen
Neutralität
Gibt es eine offensichtliche Agenda?
Unterschiedliche Perspektiven dargestellt
Reputation
Wie steht diese Quelle im Ruf?
Bekannte, etablierte Medien
Verifizierbarkeit
Kann ich das überprüfen?
Primärquellen erreichbar
5. Kommentar und Reportage vergleichen
Kommentar
Reportage
Funktion
Werten, Meinung bilden
Lebhaft berichten, Atmosphäre schaffen
Autor
Tritt als meinende Person auf
Tritt als erlebende Person auf
Subjektivität
Sehr hoch (gewollt)
Hoch (Erlebnisbericht), aber faktenbasiert
Sprache
Argumentativ, bewertend
Anschaulich, szenisch, bildhaft
Einstieg
These oder provokante Aussage
Szenischer Einstieg (Person, Ort, Moment)
Ziel
Leser überzeugen
Leser informieren und in Situation versetzen
6. Leserbrief schreiben
Aufbau eines Leserbriefs: 1. Bezug Auf welchen Artikel / Bericht bezieht man sich? (Titel, Datum, Medium) 2. Meinung Eigene Position klar formulieren – Zustimmung oder Kritik 3. Begründung Argumente, Beispiele, Gegenbeispiele 4. Forderung Was soll sich ändern? Was wünscht man sich? 5. Schluss Zusammenfassung, Appell oder Frage
Sprachliche Merkmale: sachlich und persönlich zugleich. Ich-Perspektive erlaubt. Formell genug für Zeitung. Keine Beschimpfungen. Klare, strukturierte Argumente.
7. Übungen
🧠 Multiple Choice – Sach- und Medientexte (14 Fragen)
Frage 1 von 140 %
1. Was ist das Hauptziel eines Kommentars?
Kommentar: subjektive, wertende journalistische Textsorte. Der Autor tritt als meinende Instanz auf. Hauptfunktion: Meinung bilden und überzeugen. Unterschied zur Nachricht: Nachricht informiert neutral. Kommentar wertet. Typisches Merkmal: deutlicher Standpunkt in Einleitung, Argumente im Hauptteil, Appell im Schluss.
2. Was versteht man unter einem "Faktenargument"?
Faktenargument: stärkstes Argumenttyp wenn Quellen seriös. Überprüfbare Aussagen: Statistiken, Studienergebnisse, offizielle Zahlen. Wichtig: Quelle muss seriös sein (WHO, statistische Ämter, peer-reviewte Studien). Schwaches Faktenargument: unseriöse Quelle zitieren oder Zahlen aus dem Kontext reißen.
3. Was unterscheidet eine Reportage von einer Nachricht?
Reportage: Journalist ist vor Ort, erlebt selbst, szenischer Einstieg (Person im Mittelpunkt), atmosphärische Schilderung, Zitate von Betroffenen. Nachricht: klar, neutral, Fünf-W-Fragen, keine persönliche Note, Präsenz des Autors kaum spürbar. Reportage ist lebendiger aber weniger neutral.
4. Was ist "Greenwashing"?
Greenwashing: Schein-Nachhaltigkeit. Unternehmen/Politiker nutzen grüne Symbolik ohne echte Veränderungen. Erkennungszeichen: vage Begriffe ("nachhaltig", "natürlich") ohne Definition oder Belege; fehlende Zertifikate; Fokus auf einem grünen Aspekt während andere Bereiche weiter umweltschädlich sind.
5. Was ist das "Strohmann-Argument"?
Strohmann: unehrliche Argumentation. "Wer gegen Atomkraft ist, will Blackouts!" – das hat der Gegner so nicht gesagt. Der Strohmann ist leichter zu besiegen als die echte Position. Erkennen: "Wer X will, muss ja auch Y wollen!" – stimmt das wirklich? Ad-hominem: Angriff auf Person statt Argument.
6. Welche Fragen beantwortet eine Nachricht typischerweise?
Fünf W-Fragen der Nachricht: Wer (Akteur)? Was (Ereignis)? Wann (Zeit)? Wo (Ort)? Wie (Umstände)? + manchmal Warum (Hintergrund). Diese Elemente müssen in der Einleitung (Lead) einer Nachricht enthalten sein. Keine Wertung, keine Emotionen – reine Information. Wichtigstes zuerst (umgekehrte Pyramide).
7. Was bedeutet "multimodal" in Bezug auf Texte?
Multimodale Texte: kombinieren verschiedene Zeichensysteme. Bild + Text (Zeitung). Video + Audio + Text (YouTube). Animation + Sprache (Erklärfilm). Graphic Novel: Comic-Bilder + Text. Wichtig bei der Analyse: Wie interagieren die verschiedenen Modi? Was zeigt das Bild was der Text nicht sagt?
8. Was ist das "Ad-hominem-Argument"?
Ad hominem (lat. = gegen den Menschen): Person anstatt Argument angreifen. "Das sagt ausgerechnet der, der selbst nie..." → kein Sachargument! Verbreitet in politischen Debatten und sozialen Medien. Erkennen: Wird über die Person gesprochen statt über das Thema? Dann Ad hominem.
9. Woran erkennt man einen seriösen Informationstext?
Seriosität: Transparenz (Autor, Impressum), Aktualität (Datum), Belege (Quellenangaben), Neutralität (verschiedene Perspektiven), Verifizierbarkeit (Primärquellen erreichbar). Warnsignale: kein Datum, kein Autor, Reißersprache, keine Belege, extreme Emotionalisierung, Druck zum Teilen.
10. Was ist ein Testimonial in der Werbung?
Testimonial (engl. = Zeugnis): Prominente oder vermeintliche Experten empfehlen das Produkt. Funktioniert weil Menschen denen sie kennen/vertrauen folgen (parasoziale Beziehung). Kritisch betrachten: Werden die wirklich bezahlt? Ist die Expertise echt? Passt die Person zum Produkt?
11. Was unterscheidet Sachinformation von Wertung in einem Text?
Sachinformation: überprüfbar, objektiv, Fakten, Zahlen, Daten. Wertung: subjektiv, Adjektive ("skandalös"), Modalverben ("muss"), Perspektive ("Leider..."). In Kommentaren: viele Wertungen. In Nachrichten: keine Wertungen. In Reportagen: Mix. Aufgabe der Textanalyse: beide trennen können.
12. Was ist der "Bandwagon-Effekt" in der Werbung?
Bandwagon (= auf den Zug aufspringen): "Alle machen es – du auch?" Nutzt sozialen Konformitätsdruck. "9 von 10 Zahnärzten empfehlen..." / "Das meistverkaufte Produkt Deutschlands!" Psychologisch wirksam weil Menschen sich an Mehrheitsmeinungen orientieren. Kritisch fragen: Stimmt das wirklich?
13. Was ist die "SIFT-Methode"?
SIFT-Methode (Mike Caulfield): (S) Innehalten bevor man teilt oder glaubt. (I) Quelle untersuchen: Wer steckt dahinter? (F) Bessere Berichterstattung finden: Berichten andere seriöse Quellen dasselbe? (T) Behauptungen zurückverfolgen: Was ist die Originalquelle? Besonders wichtig für Social-Media-Posts und Viral-Content.
14. Welcher Begriff beschreibt eine Technik bei der ein Problem in der Werbung erst erzeugt und dann gelöst wird?
Problem-Lösung: Werbung erzeugt erst ein Bedürfnis oder eine Angst, dann bietet das Produkt die Lösung. "Haben Sie Schuppen?" → Shampoo. "Sorgen Sie sich um Ihre Sicherheit?" → Versicherung. Sehr effektiv weil Menschen Probleme vermeiden wollen. Kritisch: Wurde das Problem erst durch die Werbung als solches definiert?
🔄 Zuordnung: Textsorten und ihre Merkmale
Ziehe die Begriffe auf die richtige Definition (oder tippe auf Begriff, dann Definition).
Begriffe
Kommentar
Reportage
Nachricht
Leserbrief
Interview
Blog
Werbeanzeige
Definitionen
Appelliert an Emotionen, will verkaufen, nutzt Slogans und Bilder
Frage-Antwort-Format, gibt O-Töne einer Person direkt wieder
Objektiv, neutral, beantwortet die fünf W-Fragen, keine persönliche Wertung
Journalistische Meinung: Autor nimmt klar Stellung, argumentiert und bewertet
Reaktion eines Lesers auf einen Artikel, eigene Meinung mit Argumenten
Regelmäßige Beiträge in Ich-Perspektive im Internet, mit Kommentarfunktion
Journalist erlebt selbst, szenischer Einstieg, lebendig und atmosphärisch
✅✗ Wahr oder Falsch: Medien und Sachtexte
1. Ein Kommentar darf die persönliche Meinung des Autors enthalten.
Richtig! Der Kommentar ist eine meinungsbildende Textsorte – das ist seine Funktion. Der Autor muss seinen Standpunkt klar machen. Unterschied zur Nachricht: Nachricht bleibt neutral. Kommentar wird gezielt als Meinungsäußerung gekennzeichnet (meist mit Name des Autors und Rubrik "Kommentar/Meinung").
2. Das "Strohmann-Argument" ist eine sachlich korrekte Argumentationsstrategie.
Falsch! Das Strohmann-Argument ist eine rhetorische Manipulation: Die Gegenmeinung wird verzerrt extremer dargestellt als sie wirklich ist, damit sie leichter widerlegt werden kann. Das ist unehrlich und manipulativ. Korrekte Argumentation: Gegenmeinung in ihrer stärksten Form aufnehmen und widerlegen.
3. Multimodale Texte verbinden verschiedene Zeichensysteme wie Bild, Text und Ton.
Richtig! Multimodal = mehrere Modi. Zeitung: Text + Bild. YouTube: Video + Audio + Text (Untertitel). Social Media: Text + Bild + Video + Hashtags. Graphic Novel: Bild + Text. Bei der Analyse: Wechselwirkung der Modi untersuchen – Was zeigt das Bild das der Text nicht sagt?
4. Greenwashing bedeutet dass ein Unternehmen echte und belegte Umweltmaßnahmen umsetzt.
Falsch! Greenwashing = das Gegenteil: Schein-Nachhaltigkeit. Vage grüne Begriffe ohne Belege, Fokus auf einem "grünen" Aspekt während der Rest unverändert bleibt. Erkennen: Fehlen konkreter Zahlen, Zertifikate, Vergleiche. Echter Umweltschutz: nachprüfbare Maßnahmen, Transparenz.
5. Bei der Quellenprüfung ist es ausreichend, einen Text einmal oberflächlich zu lesen.
Falsch! Seriosität einer Quelle erfordert systematische Prüfung: Autor (wer? welche Interessen?), Datum, Belege, andere Quellen vergleichen, zur Primärquelle zurückverfolgen. SIFT-Methode: Stopp – Quelle untersuchen – besser belegen – zurückverfolgen. Oberflächliches Lesen reicht nicht – gerade bei Falschinformationen sind Titel oft irreführend.
🔄 Sortieren: Schritte der Sachtextanalyse
Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge. Klicken und ziehen oder Pfeile nutzen.
☰ 5. Sachinformation vs. Wertung: trennen und belegen
☰ 4. Sprache: sprachliche Mittel und Argumenttypen benennen und analysieren
☰ 2. Inhalt: Kernaussage und Aufbau in eigenen Worten wiedergeben (kein Abschreiben)
☰ 7. Schluss: eigene Einschätzung und Relevanz für Leser / Gesellschaft
☰ 6. Bewertung: Ist der Text überzeugend? Belegt? Ausgewogen? Seriosität prüfen
📚 Sachtextanalyse: Kommentar zu sozialen Medien
Soziale Medien machen uns krank – und wir schauen zu. Täglich verbringen Jugendliche zwischen vier und sieben Stunden auf Instagram, TikTok und Co. Was dabei passiert, ist erschreckend: Studien der Universität Pennsylvania zeigen, dass intensiver Social-Media-Konsum depressive Symptome verstärkt. Doch statt zu handeln, installieren die Plattformen nur halbherzige "Zeitlimits", die mit einem Klick deaktiviert werden können. Es ist Zeit, dass die Politik eingreift. Wer Kinder und Jugendliche schützen will, muss verbindliche Obergrenzen gesetzlich verankern. Die Freiheit der Konzerne endet dort, wo die psychische Gesundheit unserer Kinder beginnt.
1. Bestimme die Textsorte und begründe deine Entscheidung mit zwei Merkmalen des Textes. (2 Punkte)
Kommentar: (1) Der Autor äußert klar eine Meinung ("Es ist Zeit, dass die Politik eingreift.") – Wertung statt neutraler Bericht. (2) Argumentative Struktur mit These, Belegen und Forderung. Weitere Merkmale: wertende Adjektive ("erschreckend", "halbherzige"), Appell am Ende, erste Person impliziert.
2. Trenne Sachinformation von Wertung: Nenne je ein Beispiel aus dem Text. (3 Punkte)
Sachinformation: "Studien der Universität Pennsylvania zeigen, dass..." – überprüfbarer Beleg. "Täglich verbringen Jugendliche zwischen vier und sieben Stunden..." – Datenbasis (wenn belegt). Wertung: "Das ist erschreckend" – subjektive Bewertung. "halbherzige Zeitlimits" – wertendes Adjektiv. "Die Freiheit der Konzerne endet dort..." – Meinungsaussage.
3. Analysiere die Argumentationsstrategie des Textes. Welche Argumenttypen werden verwendet? (4 Punkte)
Faktenargument: Universitätsstudie (Autorität + Daten). Normatives Argument: Schutz der psychischen Gesundheit von Kindern als Wert. Emotionales Argument: "unsere Kinder" – Appell an Fürsorge. Konsequenzargument: Wenn Plattformen nicht handeln, muss Politik eingreifen. Mögliche Schwäche: Zeitangaben ohne genaue Quellenangabe. Rhetorisch stark, aber einseitig – kein Gegenargument aufgenommen.
🕑 Flashcards: Sach- und Medientexte
Klicke auf die Karte zum Umdrehen.
📝 Mini-Klausur: Sach- und Medientexte
Gesamt: 14 Punkte
Aufgabe 1 (4 Punkte)
Erkläre den Unterschied zwischen Kommentar und Reportage. Nenne je zwei Merkmale. (4 Punkte)
(je 2P) Kommentar: meinungsbildend, Autor nimmt Stellung, argumentativ, bewertet, überzeugen. Reportage: Journalist erlebt selbst, szenisch und atmosphärisch, lebendig, Zitate Betroffener, informieren und in Situation versetzen. Gemeinsamkeit: beide subjektiv, aber auf verschiedene Weise.
Aufgabe 2 (4 Punkte)
Erkläre das "Strohmann-Argument" und gib ein Beispiel. Warum ist es problematisch? (4 Punkte)
(2P) Strohmann: Gegenmeinung wird verzerrt extremer dargestellt als sie ist, um sie leichter widerlegen zu können. Beispiel: "Wer Tempolimits will, will Autofahrer enteignen!" – so hat das niemand gesagt. (2P) Problematisch: unehrliche Argumentation, diskreditiert Debattenkultur, verhindert echte Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Argument des Gegenübers.
Aufgabe 3 (6 Punkte)
Nenne drei Kriterien zur Prüfung der Seriosität einer Informationsquelle und erkläre je kurz warum sie wichtig sind. (6 Punkte)
(je 2P) (1) Transparenz (Autor, Impressum): Wer steckt dahinter? Welche Interessen? Anonym = verdächtig. (2) Belege/Quellen: Können Aussagen überprüft werden? Fehlen Quellenangaben, sind Zahlen nicht nachvollziehbar. (3) Aktualität: Datum vorhanden? Alte Informationen können überholt sein. Weitere akzeptable Kriterien: Neutralität, Reputation des Mediums, Verifizierbarkeit.