Gutes Schreiben ist kein einmaliger Akt, sondern ein mehrstufiger Prozess. Professionelle Autorinnen und Autoren durchlaufen alle drei Phasen – oft mehrfach.
1
Planen
Thema verstehen, Ideen sammeln (Mindmap, Cluster, Brainstorming), Ziel und Zielgruppe bestimmen, Gliederung erstellen.
2
Formulieren
Rohfassung schreiben, Gedanken zu Sätzen formen, Einleitung und Schluss sorgfältig gestalten, Übergänge schaffen.
3
Überarbeiten
Inhalt prüfen (vollständig? logisch?), Sprache feilen (Wiederholungen? Abwechslung?), Rechtschreibung und Grammatik kontrollieren.
2. Die Inhaltsangabe
Inhaltsangabe: Gibt den wesentlichen Inhalt eines Textes knapp, sachlich und in eigenen Worten wieder. Keine eigene Meinung, keine wörtlichen Zitate (außer als Belege), keine Details. Zeitform: Präsens. Perspektive: objektiv, sachlich.
Aufbau der Inhaltsangabe: Einleitung Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr, Thema in einem Satz: "In der Kurzgeschichte ‚Das Brot' (1946) von Wolfgang Borchert geht es um..."
Hauptteil Wesentliche Handlungsschritte / Kernaussagen in richtiger Reihenfolge, in eigenen Worten, Präsens.
Abschreiben / wörtliche Wiedergabe ohne Anführungszeichen
Wesentliches
alle Details und Nebensächlichkeiten
logische Reihenfolge
springen, wichtiges weglassen
3. Die Charakterisierung
Charakterisierung: Beschreibt eine literarische Figur systematisch und belegt alle Aussagen mit Textstellen. Keine Nacherzählung! Zeitform: Präsens. Struktur: Äußeres → Verhalten → Charakter → Entwicklung → Bedeutung im Text.
Inhaltliche Kategorien: Äußeres Aussehen, Kleidung, Alter, Körpersprache (wenn beschrieben) Soziales Familie, Beruf, Herkunft, gesellschaftliche Stellung Verhalten Handlungen, Reaktionen auf andere Figuren, Entscheidungen Charakter Eigenschaften, Werte, Denken, Gefühle, innere Konflikte Sprache Wie spricht die Figur? Was verrät das über sie? Entwicklung Verändert sich die Figur im Laufe der Handlung? Funktion Welche Rolle spielt sie im Text? (Protagonist, Antagonist...)
4. Stellungnahme und Erörterung
Stellungnahme: Knappere Form. Der Verfasser nimmt zu einem Thema klar Stellung, begründet seine Meinung mit Argumenten und Beispielen. Eigene Position klar erkennbar.
Erörterung: Ausführlichere Form. Beide Seiten (Pro und Kontra) werden gleichgewichtig dargestellt und abgewogen. Fazit am Ende.
Erörterungsform
Aufbau
Einsatz
Lineare Erörterung
Erst alle Pro-, dann alle Kontra-Argumente (oder umgekehrt, stärkstes Argument zuletzt)
Sprachliche Mittel für Erörterungen: Einleitung "Das Thema X ist in der heutigen Zeit besonders relevant, weil..." · "Die Frage, ob..., wird kontrovers diskutiert." Pro "Einerseits..." · "Ein wesentlicher Vorteil ist..." · "Befürworter argumentieren..." Kontra "Andererseits..." · "Kritiker hingegen..." · "Dagegen spricht..." Einschränkung "Zwar... jedoch..." · "Allerdings muss bedacht werden, dass..." Fazit "Alles in allem..." · "Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass..." · "Mein Fazit lautet..."
5. Das Protokoll
Verlaufsprotokoll: Hält den zeitlichen Ablauf einer Sitzung/Diskussion fest. Chronologisch, sachlich, im Präteritum. Enthält: Datum, Ort, Teilnehmer, Leitung, Tagesordnungspunkte mit Ergebnissen.
Ergebnisprotokoll: Hält nur die Beschlüsse und Ergebnisse fest, nicht den Verlauf. Knapper.
6. Bewerbung und Lebenslauf (Klasse 9/10)
Bewerbungsschreiben – Pflichtbestandteile: Briefkopf Name, Adresse, Datum, Empfänger Betreff Bewerbung um [Stelle] bei [Unternehmen] Einleitung Wie auf die Stelle aufmerksam geworden? Hauptteil Eigene Stärken, Qualifikationen, Bezug zur Stelle Schluss Gesprächswunsch, Verfügbarkeit Grußformel "Mit freundlichen Grüßen" + Unterschrift
7. Übungen
🧠 Multiple Choice – Texte schreiben (12 Fragen)
Frage 1 von 120 %
1. Was gehört in die Einleitung einer Inhaltsangabe?
Einleitungssatz der Inhaltsangabe: "In [Textsorte] '[Titel]' ([Jahr]) von [Autor] geht es um [Thema]." Alle fünf Informationen in einem Satz. Textsorte nennen (Kurzgeschichte, Roman, Gedicht, Sachtext...). Zeitform: Präsens! Keine eigene Meinung!
2. In welcher Zeitform wird die Inhaltsangabe geschrieben?
Inhaltsangabe: immer Präsens. "Der Protagonist geht in die Stadt." – nicht "ging". Ausnahme: wenn im Text selbst Rückblicke beschrieben werden, kann kurz ins Präteritum gewechselt werden. Merke: Im Präsens beschreiben, was ein Text uns zeigt – das ist zeitlos.
3. Was darf in einer Inhaltsangabe nicht stehen?
Inhaltsangabe: reine Wiedergabe, keine Wertung! Verboten: "Ich finde...", "Leider...", "Ich war beeindruckt..." Erlaubt erst in der Analyse/Interpretation. Die Inhaltsangabe ist objektiv und sachlich. Sie zeigt, dass man den Text verstanden hat – nicht ob man ihn mag.
4. Welche Aspekte beschreibt eine Charakterisierung?
Charakterisierung: systematische Beschreibung einer literarischen Figur. Kategorien: Äußeres (wenn beschrieben), Soziales (Familie, Beruf), Verhalten (Handlungen), Charakter (Eigenschaften), Sprache (wie redet sie?), Entwicklung (verändert sich?), Funktion (Protagonist, Antagonist?). Immer mit Textbelegen! Keine Nacherzählung!
5. Was ist der Unterschied zwischen Stellungnahme und Erörterung?
Stellungnahme: klarere eigene Position, kompakter. "Ich vertrete die Meinung, dass..." Erörterung: umfassender, beide Seiten berücksichtigt, dialektischer Aufbau möglich, Abwägung bevor Fazit. Dialektische Erörterung: Thesis – Antithesis – Synthesis. Textgebundene Erörterung: erst Inhaltsangabe, dann Auseinandersetzung mit der These des Textes.
6. Was gehört ins Fazit einer Erörterung?
Fazit: kein neuer Inhalt, sondern Zusammenschau. Eigene Position klar formulieren (auch wenn vorher "beide Seiten" behandelt wurden). Ausblick oder Handlungsempfehlung möglich. Einleitende Wendungen: "Alles in allem...", "Nach Abwägung aller Argumente...", "Ich komme daher zu dem Schluss..."
7. Was ist ein Verlaufsprotokoll?
Verlaufsprotokoll: hält Ablauf fest (wer hat was gesagt?). Zeitform: Präteritum. Ergebnisprotokoll: hält nur Beschlüsse fest (kürzer). Im Schulunterricht oft: "Verlaufsprotokoll einer Unterrichtsstunde." Formelles Protokoll: Datum, Ort, Teilnehmer, Beginn, Ende, Tagesordnungspunkte, Unterschriften.
8. Was ist der Hauptunterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?
Direkte Charakterisierung: "Er war ein ehrlicher, zuverlässiger Mann." (Erzähler sagt es direkt). Indirekte Charakterisierung: Figur handelt, spricht, wird von anderen kommentiert → Leser zieht Schlüsse. Literarische Qualität: Indirekte Charakterisierung ist komplexer und kunstvoller. In modernen Texten dominiert oft indirekte Charakterisierung.
9. Was sollte in der Einleitung einer Erörterung stehen?
Einleitung einer Erörterung: Einstieg (weckt Interesse) + Hinführung zum Thema + Ankündigung der eigenen These oder Fragestellung. Einstiegstypen: aktuelle Situation beschreiben, Statistik nennen, provozierende Frage, Zitat, persönliches Erlebnis. NICHT: "In meiner Erörterung werde ich..." (zu direkt und unelegant).
10. Welche Zeitform verwendet man für Charakterisierungen?
Charakterisierung: Präsens. "Die Figur X ist ein..., sie handelt..., ihr Verhalten zeigt..." Gleich wie Inhaltsangabe und Analyse. Präsens drückt aus dass die Figur im Text "immer so ist" – zeitlose Aussage über eine literarische Figur. Ausnahme: wenn über Veränderung berichtet wird ("Zu Beginn war X anders als am Ende").
11. Was bedeutet "Textbeleg" in einer Charakterisierung?
Textbeleg: direkte Textaussagen als Beweis. Wörtlich: "Sie schien erschöpft, ‚als wolle sie nie mehr aufstehen'". Sinngemäß (Paraphrase): "Als die Figur den Raum betritt, wirkt sie auf alle anwesenden Figuren einschüchternd (vgl. Z. 15-17)." Belege verankern die Analyse im Text.
12. Was ist die "textgebundene Erörterung"?
Textgebundene Erörterung: (1) Inhaltsangabe des Ausgangstextes. (2) Erörterung der These des Textes (mit Pro- und Kontra-Argumenten). Eigene Meinung einbringen! Belege aus dem Text nutzen. Häufig in Prüfungen: Zeitungsartikel, Kommentar oder Essay als Ausgangsmaterial.
🔄 Zuordnung: Aufsatzformen und ihre Merkmale
Ziehe die Begriffe auf die richtige Definition (oder tippe auf Begriff, dann Definition).
Begriffe
Inhaltsangabe
Charakterisierung
Stellungnahme
Dialektische Erörterung
Verlaufsprotokoll
Bewerbungsschreiben
Analyse
Definitionen
Sachliche Wiedergabe des wesentlichen Inhalts in Präsens, ohne eigene Meinung
Formeller Brief mit Briefkopf, Betreff, eigenen Stärken und Grußformel
Eigene Position zu einem Thema mit Argumenten und Beispielen klar formulieren
Abwägen von Pro- und Kontraargumenten mit Fazit am Ende
Chronologische Mitschrift einer Sitzung im Präteritum
Systematische Beschreibung einer literarischen Figur mit Textbelegen in Präsens
Untersuchung von Sprache, Aufbau und Wirkung eines Textes mit Fachbegriffen
🔄 Sortieren: Schreibprozess einer Stellungnahme
Bringe die Elemente in die richtige Reihenfolge. Klicken und ziehen oder Pfeile nutzen.
☰ Rohfassung schreiben: Einleitung mit Einstieg formulieren
☰ Text überarbeiten: Inhalt, Sprache, Rechtschreibung prüfen
☰ Argumente bewerten und ordnen (stärkstes Argument an letzte Stelle)
☰ Argumente mit Begründungen und Belegen ausformulieren
☰ Argumente sammeln (Brainstorming, Mindmap)
☰ Aufgabenstellung lesen und Thema vollständig verstehen
✅✗ Wahr oder Falsch: Texte schreiben
1. In der Inhaltsangabe darf man die eigene Meinung zum Text äußern.
Falsch! Die Inhaltsangabe ist rein sachlich und objektiv. Keine Bewertung, keine Emotionen. Eigene Meinungen kommen erst in der Stellungnahme oder Interpretation. Typischer Fehler: "Der Autor schreibt leider zu lang..." → nicht erlaubt.
2. Eine Charakterisierung besteht ausschließlich aus einer Nacherzählung der Handlung.
Falsch! Das wäre der häufigste Fehler in Charakterisierungen. Keine Nacherzählung! Stattdessen: systematische Beschreibung der Figur nach Kategorien (Äußeres, Verhalten, Charakter, Entwicklung). Handlungen nur als Belege für Charaktereigenschaften erwähnen.
3. In einer Erörterung sollte das stärkste Argument an letzter Stelle stehen.
Richtig! Das stärkste Argument zuletzt: psychologisch wirksam (letzter Eindruck bleibt). Zweitschwächstes zuerst. Schwächstes in der Mitte "verstecken". Bei dialektischer Erörterung: die eigene Seite zuletzt (wirkt überzeugender).
4. Das Verlaufsprotokoll wird im Präsens geschrieben.
Falsch! Verlaufsprotokoll: Präteritum. "Frau Müller begrüßte die Teilnehmer... Er erläuterte den ersten Punkt..." Das Ergebnisprotokoll kann im Präsens formulierte Beschlüsse enthalten.
5. Eine dialektische Erörterung nennt nur Pro-Argumente für die eigene Position.
Falsch! Dialektische Erörterung: beide Seiten (These UND Antithese) werden dargestellt. Das ist gerade das Wesen dieser Form. Erst dann kommt die eigene Synthese/Fazit. Eine einseitige Erörterung ist eine lineare Erörterung oder Stellungnahme.
📝 Mini-Klausur: Texte schreiben
Gesamt: 12 Punkte
Aufgabe 1 (3 Punkte)
Schreibe einen Einleitungssatz für eine Inhaltsangabe der Kurzgeschichte "Das Brot" (1946) von Wolfgang Borchert. Nenne alle Pflichtbestandteile. (3 Punkte)
Muster: "In der Kurzgeschichte 'Das Brot' (1946) von Wolfgang Borchert geht es um ein älteres Ehepaar, das in der Nachkriegszeit mit Hunger und gegenseitiger Schonung umgeht." (je 1P für: Textsorte + Titel + Autor + Jahr; Thema; flüssiger Satz).
Aufgabe 2 (5 Punkte)
Erkläre den Aufbau einer dialektischen Erörterung und nenne drei sprachliche Formulierungen für Pro- und Kontra-Teile. (5 Punkte)
Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung? Nenne je ein Beispiel. (4 Punkte)
(2P) Direkte Charakterisierung: Erzähler nennt Eigenschaften explizit. "Er war ein freundlicher, zuverlässiger Mann." (2P) Indirekte Charakterisierung: Figur zeigt sich durch Handlungen, Sprache, Reaktionen anderer. "Er blieb immer ruhig, half spontan fremden Menschen und vergaß nie einen Geburtstag." → Leser schließt: freundlich, zuverlässig.