Deutsch · Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg · Klasse 7
Jedes Gespräch, jede Nachricht, jedes Schweigen ist Kommunikation. Dabei läuft viel mehr ab als nur der Austausch von Wörtern. Linguisten und Psychologen haben Modelle entwickelt um zu verstehen warum Kommunikation manchmal gelingt – und warum sie oft scheitert.
Das einfachste Modell: Eine Person (Sender) encodiert eine Botschaft und schickt sie über einen Kanal. Die andere Person (Empfänger) decodiert sie. Störungen können das Signal verfälschen.
Jede Äußerung enthält nach Friedemann Schulz von Thun vier Botschaften gleichzeitig. Sender und Empfänger betonen dabei oft unterschiedliche Ebenen – das führt zu Missverständnissen.
| Ebene | Botschaft |
|---|---|
| Sachinhalt | Die Ampel zeigt grünes Licht. |
| Selbstoffenbarung | Ich bin ungeduldig / ich will losfahren. |
| Beziehung | Du fährst zu langsam / du bist unaufmerksam. |
| Appell | Fahr endlich los! |
Kommunikation kann anklagend oder offen sein. Du-Botschaften beschuldigen und erzeugen Widerstand. Ich-Botschaften teilen eigene Gefühle mit und fördern konstruktiven Dialog.
| Du-Botschaft (Anklage) | Ich-Botschaft (offen) |
|---|---|
| "Du hörst mir nie zu!" | "Ich fühle mich übergangen wenn meine Ideen nicht gehört werden." |
| "Du bist immer so laut!" | "Ich kann mich schlecht konzentrieren wenn es so laut ist." |
| "Du hast das schon wieder vergessen!" | "Ich bin enttäuscht, weil mir das sehr wichtig war." |
| Form | Beschreibung | Ziel |
|---|---|---|
| Diskussion | Offenes Gespräch, alle können Beiträge einbringen | Meinungsaustausch, gemeinsames Verstehen |
| Debatte | Zwei Seiten vertreten gegensätzliche Positionen strukturiert | Argumente entwickeln, Überzeugungsarbeit |
| Fishbowl | Innerer Kreis diskutiert, äußerer Kreis beobachtet | Zuhören üben, Gesprächsstruktur lernen |
| Rollendiskussion | Teilnehmer übernehmen vorgegebene Rollen/Positionen | Perspektivenwechsel, Empathie |
| Podiumsdiskussion | Experten auf Podium diskutieren vor Publikum | Öffentliches Sprechen, Moderation |
| Konfliktgespräch | Strukturiertes Gespräch bei Meinungsverschiedenheiten | Konfliktlösung, Kompromiss finden |
Beim Fishbowl-Gespräch sitzen wenige Schüler im inneren Kreis (dem "Aquarium") und diskutieren. Die anderen sitzen außen und beobachten. Ein freier Stuhl ermöglicht es Außenstehenden jederzeit teilzunehmen.
Eine gelungene Präsentation ist mehr als der Inhalt – Aufbau, Sprache, Körper und Medieneinsatz spielen zusammen.
| Bereich | Elemente | Tipps |
|---|---|---|
| Paraverbal (Stimme) | Lautstärke, Tempo, Betonung, Pausen, Intonation | Variieren statt monoton; Pausen setzen für Wirkung; nicht zu schnell sprechen |
| Nonverbal (Körper) | Blickkontakt, Gestik, Mimik, Haltung, Stand | Blickkontakt halten (nicht Notizen ablesen); offene Körperhaltung; ruhig stehen |
| Verbal (Sprache) | Wortwahl, Satzbau, Fachbegriffe, Übergänge | Standardsprache; kurze Sätze; Überleitungen einbauen ("Kommen wir nun zu...") |
Gute Argumente sind der Kern von Diskussion und Debatte. Ein überzeugendes Argument besteht immer aus mehreren Teilen.
| Strategie | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Faktenargument | Belegt mit Zahlen, Daten, Studien | "Laut Statistik sind 60 % der..." |
| Normatives Argument | Beruft sich auf Werte, Gesetze, Moral | "Das Grundgesetz garantiert..." |
| Analogieargument | Vergleich mit ähnlichem Fall | "In Schweden hat man gezeigt, dass..." |
| Autoritätsargument | Berufung auf Experten | "Laut Prof. Müller..." |
| Konsequenzargument | Folgen aufzeigen | "Wenn wir das nicht tun, wird..." |
| Gegenargument entkräften | Einwand aufgreifen und widerlegen | "Zwar stimmt es, dass... jedoch..." |
Zuhören ist aktiv und kann gelernt werden. Aktives Zuhören bedeutet nicht nur zu schweigen – es bedeutet Verständnis zu signalisieren, Nachzufragen und das Gehörte zu reflektieren.
1. Was versteht man unter "paraverbaler Kommunikation"?
1. Beim Vier-Ohren-Modell sendet jede Nachricht gleichzeitig vier verschiedene Botschaften.
2. Eine Ich-Botschaft klagt den Gesprächspartner direkt an.
3. Paraverbale Kommunikation umfasst Gestik und Mimik.
4. Beim Fishbowl-Gespräch darf der äußere Kreis durch den freien Stuhl jederzeit am Gespräch teilnehmen.
5. Aktives Zuhören bedeutet hauptsächlich still zu sein und nichts zu sagen.
Ziehe die Begriffe auf die richtige Definition (oder tippe auf Begriff, dann Definition).
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Formuliere die folgenden Du-Botschaften als konstruktive Ich-Botschaft um. Beschreibe dein Gefühl + das beobachtbare Verhalten + die Wirkung auf dich.
1. "Du hörst mir nie zu!"
2. "Du bist immer so laut!"
3. "Du hast das schon wieder vergessen! Ich kann mich auf dich nicht verlassen!"
4. "Du bist so unhöflich!"
1. Analysiere die Kommunikationssituation: Wer kommuniziert mit wem? Auf welchen Ebenen des Vier-Ohren-Modells könnte man Toms Frage analysieren? (3 Punkte)
2. Was sagt die Reaktion der Mutter (wortloses Reichen, kurzer Blick) aus? Welche Botschaft könnte sie damit senden? (3 Punkte)
3. Was meint der Vater mit seiner Beobachtung? Welche Kommunikationsebene spricht er an? (4 Punkte)
Gesamt: 14 Punkte
Aufgabe 1 (6 Punkte)
Erkläre das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun. Analysiere den Satz "Du bist schon wieder zu spät!" auf allen vier Ebenen. (6 Punkte)
Aufgabe 2 (4 Punkte)
Was ist der Unterschied zwischen einer Du-Botschaft und einer Ich-Botschaft? Nenne je ein Beispiel und erkläre die Wirkung. (4 Punkte)
Aufgabe 3 (4 Punkte)
Beschreibe die Fishbowl-Methode. Wie ist sie aufgebaut und welche Kompetenzen fördert sie? (4 Punkte)